Erste KWF-Marktübersicht „Hackschnitzel-Siebanlagen“
In der vorliegenden KWF-Marktübersicht (MÜ) sind erstmalig Hackschnitzel-Siebanlagen (HSA) in stationärer und mobiler Bauweise erfasst. Mit dieser Technik ist es gegenwärtig möglich, nahezu alle gewünschten Fraktionen zu erzeugen. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass mit weiter zunehmendem Qualitätsbewusstsein sowie der Erkenntnis über die Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten von Hackschnitzeln - stofflich, energetisch, als Substratchips, etc. - die aktuelle MÜ künftig noch deutlich erweitert wird. Ferner ist gegenwärtig nicht abschätzbar, welche Bedeutung die Scheitholzsiebung einnimmt; ggf. wird die vorliegende MÜ künftig um dieses Marktsegment erweitert.
Warum eine Marktübersicht „Hackschnitzel-Siebanlagen“?
Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt klar und deutlich, dass auch im Bereich Festbrennstoffe aus Holz vielfältige Aktivitäten darauf ausgerichtet sind, einen möglichst standardisierten Brennstoff zu erhalten. So gibt es inzwischen insbesondere für die einzelnen Handelsformen von Holzbrennstoffen (Brikett, Scheitholz, Pellet, Hackschnitzel) zwei wesentliche EU-Normen: DIN EN 14961: Feste Biobrennstoffe - Brennstoffspezifikationen und –klassen und DIN EN 15234: Feste Biobrennstoffe – Qualitätssicherung von Brennstoffen, jeweils mit einem allgemeine Teil 1 sowie jeweils mit einem speziellen Teil für die jeweiligen Handelsformen (Teil 4:. Holzhackschnitzel für nichtindustrielle Verwendung). Für die Partikelgrößenverteilung gilt DIN EN 15149: Feste Biobrennstoffe - Bestimmung der Partikelgrößenverteilung. Darüber hinaus befassen sich bereits einige Zertifizierungssysteme mit dem Thema.
Letztendlich verfolgen alle diese Maßnahmen das Ziel, für die unterschiedlichen Verbrennungsanlagen möglichst homogene Brennstoffe anbieten zu können, weil nur diese i. d. R. einen optimalen und störungsfreien Transport innerhalb der Anlage sowie eine optimale Verbrennung gewährleisten -eine technisch einwandfrei geplante Anlage vorausgesetzt.
Die aktuelle Marktübersicht umfasst zwei Maschinengruppen:
· Stationäre Hackschnitzel-Siebanlagen (23): In diesem Bereich enthält die Marktübersicht nach Möglichkeit nur die Siebeinheit, da i. d. R. diese nur ein Bestandteil der Gesamtanlage darstellt, die jeder Kunde individuell auf seine Bedürfnisse plant. Die gesamte Vielfalt abzubilden, einschließlich aller Komponenten wie Einfüllbunker, Eintrags- und Austragsvorrichtungen, Lager- und oder Befüllvorrichtungen, würde den Rahmen dieser Marktübersicht sprengen. Auskünfte hierzu erhalten Sie beim jeweiligen Anbieter.
· Mobile Hackschnitzelsiebanlagen (10): I. d. R. sind bei diesen Modellen das Depot (Einfüllbunker), die Siebvorrichtungen, die Antriebs- sowie die Austragseinheit auf einem Lkw-Anhänger aufgebaut.
· Beide Systeme werden i. d. R. aus einem Depot gespeist (integriert oder extern), welches zuvor mittels Radlader mit dem Ausgangsmaterial befüllt wurde. Die Austragung erfolgt zumeist mit Bändern bis hin zu einem je nach Kundenwunsch gestalteten Übergabepunkt.
Entwicklungspotential
Hat man aufmerksam die Entwicklungen der letzten Jahre verfolgt, so dürfte inzwischen jedem klar sein, dass ein Land mit so wenigen Rohstoffquellen wie die Bundesrepublik Deutschland, all diese wird nutzen müssen, um überhaupt nennenswerte Anteile von z. B. fossilen Energieträgern zu ersetzen. Natürlich darf dies nur unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitskriterien geschehen, um die Quellen langfristig zu sichern und einer Übernutzung vorzubeugen. Greift man aber auf mehrere Quellen zurück, so wird das Ausgangsmaterial zwangsläufig weniger homogen sein. Homogenität bzw. eine standardisierte Qualität ist jedoch ein ganz wesentlicher Faktor für die effiziente energetische Umwandlung (siehe Absatz 3).
Im Klartext heißt dass, der Nutzungsdruck wird in allen Bereichen steigen und ebenso der Bedarf an standardisierten Brennstoffen.
Grundsätzliches zur Hackschnitzel Qualität
Parallel zu dieser Entwicklung im Bereich der „Hardware“ entwickelt sich ein zunehmendes Bewusstsein für die Vielfalt des Hackschnitzels. Dies gilt insbesondere für seine Spezifikationen hinsichtlich Form und Energieinhalt wie auch hinsichtlich seines Einsatzzwecks. Da diese Faktoren direkten Einfluss auf die eingesetzte Technik sowie die Gestaltung der Gesamtprozesskette haben (Abb. 1), sollte im Vorhinein bekannt sein, was für Hackschnitzel produziert werden sollen.
Grundsätzliche Fragen hierbei sind:
· Hackschnitzelabmessungen (Min/Max) sowie Korngrößenverteilung
· Benötigte Mengen/Zeit (z. B. srm/d)
· Holzfeuchte bzw. Wassergehalt
· Holzart(en) z. B. Hartholz, Weichholz
Abb. 1: Beispiele für Prozessketten, B. Heinrich KWF
Anmerkung: Es kommt inzwischen häufiger vor, dass nach der Trocknung gesiebt wird, weil durch Volumenschwindung und Entstehung von Feinanteilen infolge Trocknung dann eine andere Korngrößenverteilung und ein anderer Feinanteil im Anlieferungszustand entsteht. Insofern gilt das Sieben nicht nur für die stoffliche Verwertung, sondern insbesondere
Aus diesem Grund sollten die Hackschnitzelspezifikationen bzw. deren Bandbreite vor der Investition bekannt und demzufolge auch Teil der Liefervereinbarungen sein; dies gilt ebenso für die zu produzierenden Mengen.
Rahmenbedingungen
Wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, wurde und wird den Rahmenbedingungen zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Dazu gehört zwingend die Betrachtung der gesamten Prozesskette, zumal in der professionellen Hackschnitzelproduktion die Hacktechnik i. d. R. zwar das mit Abstand teuerste Glied (Stundensatz) darstellt, jedoch ebenfalls jede weitere Manipulation Geld kostet und somit den Endpreis des Produktes in die Höhe treibt. Damit das Produkt auch zu diesem Endpreis vermarktbar bleibt, sollten zuvor noch folgende Punkte vor der Anschaffung unbedingt für den künftigen Regelfall bekannt sein und berücksichtigt werden.
Hierbei handelt es sich um Aspekte, die im Gegensatz zu den weiter oben genannten unabhängig von der Form des produzierten Hackschnitzels sind:
Die isolierte Betrachtung einer Maschine bzw. eines Prozessabschnitts ist erst in der Endphase Ziel führend, wenn die zuvor genannten Rahmenbedingungen bekannt sind, und ein direkter Vergleich möglich ist. Nur in der Gesamtbetrachtung der Prozeskette(n) vom Wald bis zum Abnehmer lässt sich eine Investition sinnvoll planen.
Was macht die Siebung für den Unternehmer interessant?
Die Siebung ermöglicht dem Unternehmer ein genau definiertes Produkt bzw. Produkte anzubieten. Dies beinhaltet, neben der Chance ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen oder ein bestehendes zu erweitern, in einigen Bereichen überhaupt erst die Möglichkeit des Einstiegs in den Markt. Dies gilt insbesondere genau dann, wenn seitens des Abnehmers entsprechende Qualitätsanforderungen gestellt werden. Gegenwärtig zeichnet sich ab, dass zunehmend Spezifikationen wie Holzfeuchte bzw. Wassergehalt, Korngrößenverteilung, max. Feinanteil, Schüttdichte, Aschegehalt etc. zumeist im Anhalt an bestehende Normen bzw. Zertifizierungssysteme in die Kaufverträge Eingang finden. In der Regel bedeutet dies bei Nichteinhaltung, kann der Abnehmer daraus einen Regressanspruch ableiten mit allen bekannten Folgen. Insofern kann die Siebung ein Weg sein, um im Zuge des innerbetrieblichen Qualitätsmanagements zur Qualitätssicherung des Produkts beizutragen.
Bernd Heinrich
06078/785-34